Schulgesetz- keine Bestandsgarantie für Gymnasien

Politik plant unzumutbare Fahrzeiten von ca. 80 Minuten für Gymnasiasten

Angriff auf größtes Gymnasium in Niedersachsen

Mit scharfer Kritik reagiert der Verband der Elternräte auf den Hinweis des Ulricianums in Aurich, dem größten Gymnasium in Niedersachsen, dass Politiker vor Ort ernsthaft erwägen, durch die Errichtung einer Außenstelle, den Schülerinnen und Schülern zukünftig tägliche Fahrtzeiten von ca. 80 Minuten für die einfache Fahrt zuzumuten.

Dieses ist das Ergebnis der letzten Schulausschusssitzung vom 29.01.2018, in der mit Gegenstimmen von SPD und CDU ein Prüfauftrag der Eltern abgelehnt worden ist, andere Optionen – mit kürzeren Wegstrecken – zu prüfen. „Wenn dieses beispielhaft für den neuen Kurs der Landesregierung ist, dann können die Gymnasien endgültig einpacken“,erklärte Dr. Jeschke, Vorsitzender des Verbandesempört. Bereits mit Einbringung des Schulgesetzes, im Juni 2015, hatte der Verband der Elternräte davor gewarnt, dass unter finanzschwachen kommunalen Kassen und unter ideologischen Aspekten, die Schließung von Gymnasien durch die Kommunen zu befürchten sei. Durch die kurzfristige, aktuelle Novellierung des Schulgesetzes hätte die neue Landesregierung endlich die Möglichkeit nutzen können, diesen gravierenden Fehler zu beheben. „Von vorherigen Wahlversprechen ist jetzt aber nichts mehr zu hören“, führte Jeschke aus. „ Die Gymnasien haben keinen Bestandsschutz mehr, das Beispiel „Ulricianum“ zeigt, dass schleichend ein Raubbau an dieser Schulform betrieben wird! Die Bedingungen für ein erfolgreiches Gymnasien werden verschlechtert.“

Zum Hintergrund:Durch die Einführung von G9 und weiterer akuter Raumprobleme fehlen ca.12 Unterrichtsräume, sowie eine größere Mensa, in der bisher ca. 100 Schüler bei ca. 1800 Schülern insgesamt Platz finden. Seitens der Elternvertretung und Schulleitung wurde um Prüfung eines Erweiterungsbaus, eines Umbaus, notfalls auch die Errichtung von Containern oder der fußläufigen Erreichbarkeit einer Außenstelle gebeten. Politiker von CDU und SPD hatten den Prüfauftrag abgelehnt und planen die Unterbringung in einer weit entfernten Außenstelle. Da die Oberstufenschüler nicht ausgegliedert werden können, trifft die Entscheidung die unteren Jahrgänge. Schüler der 5. und 6. Klassen müssten folglich Busverbindungen von insgesamt ca. 80Minuten für die einfache Fahrt in Kauf nehmen, zuzüglich der Wartezeiten auf den Bus. „Insbesondere in dem großen, ländlichen Einzugsbereich des Ulricianums ist dieses für 10-Jährige nicht zumutbar“,erklärte Dr. Jeschke.  Auch die erfolgreiche Hausaufgabenbetreuung, das SFS Programm (lernstarke Schüler unterstützen jüngere Schüler), fächerübergreifende Unterrichtsmodule oder schlichtweg die Teilnahme an Schulveranstaltungen ist für die jüngeren Schüler nicht umsetzbar. Am Rande sei bemerkt, dass die Kommunalpolitiker  die Unterbringung der Gymnasiasten in bestehende Räumlichkeiten in einer alten, auslaufenden IGS planen, während die IGS-West des baugleichen Jahres für die IGS-Schüler für ca. 18 Millionen € saniert wird. Das Ulricianum besuchen täglich ca.1800 Schülerinnen und Schüler, es darf mit Ausnahmegenehmigung 9 Züge führen.

„Wenn sich Kommunalpolitiker mit Legitimation der Landesregierung  bewusst gegen die Schulform „Gymnasium“ richten und das größte Gymnasium in Niedersachsen schwächen wollen, dann liegt der Verdacht nahe, dass das Sterben der Gymnasien in Niedersachsen mit dem größten Gymnasium im Lande bereits begonnen hat “, stellte  Dr. Jeschke fest. „Unser Verband wird weiterhin in der Öffentlichkeit auf Missstände hinweisen und damit Druck auf die Politiker in Hannover ausüben, wir kämpfen um jedes einzelne Gymnasium in Niedersachsen“, erklärte Jeschke abschließend.

Dr. Hartwig Jeschke, Vorsitzender

Petra Wiedenroth, Geschäftsführerin

2018-05-23T12:19:07+00:007. Februar 2018|Pressemitteilungen|