Im Gespräch mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne

Im Gespräch mit Kultusminister Grant Hendrik Tonne:

Kernthemen des Verbandes, wie Unterrichtsversorgung, Abordnungen und Qualitätssicherung – Minister sieht Handlungsbedarf

Am 13. April 2018 folgten Vorstandsmitglieder des Verbandes der Einladung des Kultusministers Grant Hendrik Tonne zu einem intensiven Austausch über die aktuelle Situation an den Gymnasien in Niedersachsen. Insbesondere hatten in den letzten Wochen zahlreiche Beschwerden der Mitglieder über die derzeitige Abordnungsanordnung gymnasialer Lehrkräfte an die Grundschulen und die weiterhin unzureichende Unterrichtsversorgung dazu geführt, dass im direkten Austausch mit dem Minister die bestehenden Sorgen der Eltern angesprochen werden konnten.

So forderte der Verband bei der Unterrichtsversorgung eine Kapazitätsreserve von 5 Prozent zu implementieren, um Unterrichtsausfall durch Krankheit, Fortbildung etc. ausgleichen zu können.

Die Vorstandsmitglieder wiesen Herrn Tonne ausdrücklich darauf hin, dass das Hauptproblem der Gymnasien zur Zeit der Ausfall von Pflichtunterricht infolge der zahlreichen Abordnungenvon Gymnasiallehrern sei. Hier bestünde dringend und zeitnah Handlungsbedarf. Die Sicherung der Unterrichtsversorgung – auch durch die Gleichbehandlung mit anderen Schulformen, insbesondere bei der Vergabe von Anrechnungsstunden und der Berechnung der Zusatzbedarfe – habe 1. Priorität!

Hierbei sei auch die Lehrerbedarfsanalyse ein wichtiger Bestandteil. Im Hinblick auf

  • die Umstellung von G8 auf G9,
  • die Einführung eines qualitativ guten Ganztags sowie
  • die tatsächliche Anzahl der ausgeschieden bzw. ausscheidenden Lehrer (Pension, Krankheitetc.)

    müssten, nach Berechnungen des Verbandes, ab dem Jahr 2020 zusätzlich 1.200 Lehrer an die Gymnasien kommen! Hier konnte der Verband Herrn Minister Tonne auf geänderte Zahlen hinweisen, die den hohen künftigen Lehrerbedarf untermauerten.

Der Verband zeigte an dieser Stelle folgende Lösungsmöglichkeiten auf:

  • Die Möglichkeit schaffen, dass Teilzeitkräfte freiwillig ihre Stundenzahl erhöhen könnten.
  • Den Lehrkräften, die sich zurzeit in der Ausgleichsphase des früher verpflichtenden Arbeitszeitkontos befinden, müsste es möglich sein, die Ausgleichsphase freiwillig zuunterbrechen.
  • Mehrarbeitsvergütungssätze müssten angemessen erhöht werden.Auf die Frage des Verbandes, wie mit Gymnasiallehrern bei einer Neueinstellung verfahren werde, antwortete Herr Tonne konkret: „Die auf Basis der gemeldeten Bedarfe der Gymnasien neu eingestellten Gymnasiallehrer werden sofort am Gymnasium eingesetzt. Zusätzlich eingestellte Gymnasiallehrer werden im Hinblick auf G9 für 1,5 bis 2 Jahre an anderen Schulformen übergangsweise beschäftigt, erhalten aber die feste Zusage anschließend an ein Gymnasium zu wechseln.“

    Ebenso waren die sogenannten Quereinsteiger ein wichtiges Thema, das mit dem Minister besprochen wurde. Der Verband verwies insbesondere auf die Notwendigkeit die pädagogische Ausbildung der Quereinsteiger zu verbessern, da die Schülerinnen und Schüler nicht nur Anspruch auf eine fachlich kompetente, sondern auch didaktisch qualifizierte Lehrkraft haben, die sie motivieren und fördern kann.

    Ein weiteres ausgiebig diskutiertes Thema war die Qualitätssicherung des Unterrichts an Gymnasien. Hier forderte der Verband ausdrücklich die Beibehaltung der Verpflichtung zur Belegung einer 2. Fremdsprache, nicht zuletzt im Hinblick auf Europa und eine stetig steigende Globalisierung der Wirtschaft. Die Streichung der Verpflichtung der 2. Fremdsprache stellt nach Auffassung des Verbandes ein Bildungsabbau dar, der im Widerspruch zu einer zu G9 relevanten Entscheidung der Landesregierung steht, die Einführungsphase anspruchsvoll zu gestalten.

    Diese Minderung der Qualität der allgemeinen Hochschulreife in Niedersachsen sei keine Gewähr für eine hohe Qualifizierung der Schülerinnen und Schüler und nehme ihnen die Chancen, bestmöglich für ihren beruflichen Werdegang aufgestellt zu sein. Die niedersächsischen Abiturienten seien damit im Ländervergleich benachteiligt, so die Geschäftsführerin Petra Wiedenroth. Die Erreichung der Komparabilität der Abiturdurchschnittsnoten im Ländervergleich würde damit noch schwieriger. Hier sollten Gegenmaßnahmen seitens des Kultusministeriums ergriffen werden, forderte der Verband.

    Auch der Wegfall der Schullaufbahnempfehlung hat der Vorstand des Verbandes in diesem Zusammenhang kritisiert. Dies ist eine der Maßnahmen, die zu einer schleichenden Aushöhlung der Gymnasien führt. Der Verband forderte die Zugangsbedingungen wieder auf das bewährte Niveau zu bringen.

Im Rahmen der Diskussion über die Einführung von Korrekturtagen in Abiturzeiten für Lehrer stimmte Herr Minister Tonne ausdrücklich zu, dass in Zeiten der Abiturprüfungen ein erhöhter Stressfaktor für die Lehrer bestehe. Hier sei das Ministerium dabei Lösungen zu entwickeln, um die Lehrer an dieser Stelle zu entlasten. Der Verband wies nachdrücklich darauf hin, dass ohne sog. „Korrekturtage“ einerseits die Prüfungsqualität leide und die Vergleichbarkeit der Abiturprüfung nicht mehr gegeben sei, andererseits die Qualität des laufenden Unterrichts, denen die Lehrer gleichzeitig in vollen Umfang nachkommen müssten, stark eingeschränkt sei. Zusätzlich führen die mündlichen Abiturprüfungen zu erheblichem Unterrichtsausfall in den anderen Jahrgängen. So ist auch hier ein weiterer erheblicher Bildungsausfall festzustellen!

Eine weitere Entlastung der Lehrer, so Minister Tonne, könne durch eine Dezimierung der Bürokratie erreicht werden. Auch diese Möglichkeit wird derzeit durch seine Mitarbeiter geprüft.

Insgesamt war es nach einhelliger Meinung aller Vorstandsmitglieder ein offenes und konstruktives Gespräch, in dem die wichtigsten Themen für die Gymnasien deutlich angesprochen werden konnten.

Dr. Hartwig Jeschke, Vorsitzender Petra Wiedenroth, Geschäftsführerin

2018-06-04T17:43:43+00:0018. April 2018|Pressemitteilungen|