GYMNASIUM – Elternverband möchte in Corona-Krise Eigenverantwortlichkeit stärken

 HANNOVER. An der Käthe-Kollwitz-Schule, eines von 16 hannoverschen Gymnasien in staatlicher Trägerschaft, herrschen fast paradiesische Zustände. Im Rahmen eines Modellprojekts wurde dort bereits vor drei Jahren digitalisiert. Ab dem achten Jahrgang sind alle Schülerinnen und Schüler mit einem Tablet-PC ausgestattet. „So müsste es eigentlich überall sein“, sagt Waliuollah Ali, dessen Tochter Anna (18) an der Kollwitz-Schule nächstes Jahr ihr Abitur machen wird. Ali ist seit kurzer Zeit neuer Vorsitzender des Verbands gymnasialer Elternräte in Niedersachsen.

Der Verband, bereits 1948 gegründet, hat sich neu aufgestellt. Dem Ex-Vorsitzenden Dr. Hartwig Jeschke (CDU), Abgeordneter der Regionsversammlung Hannover, und Ex-Geschäftsführerin Petra Wiedenroth, wurde vorgeworfen, zu viel Parteipolitik gemacht zu haben. Beide wiesen das von sich. Der neue Vorstand, dem auch Arvid Romey, Martina Paschen (beide aus Cloppenburg), Lothar H. Fiedler und Geraldine Dudek (beide Oldenburg), angehören, wolle die Regionen des Landes stärker in den Fokus rücken. Vieles sei besser vor Ort zu lösen, erklärt Ali. Zugleich wolle der Interessenverband der Gymnasien die Elternvertreter vor Ort besser unterstützen.

Grundsätzlich begrüßt der Verband den Stufenplan des niedersächsischen Kultusministeriums zur Wiedereröffnung der Schulen. Allerdings biete die Corona-Krise auch Gelegenheit, die Eigenverantwortlichkeit der Schulen auszubauen. An vielen Gymnasien sei das Platzangebot ausreichend, um die Kurse parallel laufen zu lassen. Was in Osnabrück oder Leer geht, sei etwa in Hannover längst nicht möglich. Hier wünscht sich Ali, ein 54-jähriger Unternehmensberater, mehr Spielraum.

Der Verband geht davon aus, dass es auch nach der Sommerpause Einschränkungen für die Schulen geben werde. Daher müssten das Kern-Curriculum entschlackt, Naturwissenschaften und Sprachen gestärkt werden. Ohnehin müsse weiterhin in Bildung investiert werden. „Das Land braucht kluge Köpfe, also gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler.“ Grundsätzlich habe der Verband in der Pandemie die Devise ausgegeben, nicht alles schlecht zu reden. Ali: „Wir machen keinen Krawall wegen einer schnellen Schlagzeile.“ Wenn es aber um die Zukunft der Gymnasien – mit einem Anteil von knapp 44 Prozent die beliebteste allgemeinbildende Schule im Land – geht, werde man sich lautstark zu Wort melden.

Stefan Idel, Büro Hannover